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Taktile-Isotype: Eine Vortragsreise durch Japan

Ein Erfahrungsbericht von Wolfgang Nowak

Barrierefreiheit ist möglich!

In Sachen Barrierefreiheit verfolgt Japan seit mehreren Jahrzehnten einen effizienten weitläufigen Ausbau von Blindenleitsystemen, die es Menschen mit Sehbeeinträchtigung ermöglichen sollen, sich im öffentlichen Raum frei zu bewegen. Auf gesetzlicher Ebene ist seit 1994 geregelt, dass öffentliche Gebäude, die größer als 500m2 sind sowie alle Neubauten barrierefrei sein müssen. So gibt es beispielsweise auch am Flughafen von Tokio-Narita zur besseren Orientierung sehbehinderter und blinder Menschen ein taktiles System. Zudem sind an allen großen Straßen Tokios Leitsysteme auf Gehsteigen und bei Fußgängerübergängen installiert. Akustische Ampelanlagen geben eine weitere Orientierungshilfe, je nach Himmelsrichtung ertönt ein anderes Signal (Vogelstimme).

Bei meiner Vortragsreise traf ich ForscherInnen und Studierende der Universität Okayama. Unter der Leitung von Prof. Dr. Masaki Tauchi entwickeln sie im „Laboratory of Behavioral Science for Disabled“ der Universität Okayama Leitsysteme aus Kunststoffplatten, die man mit speziellem Klebstoff auf den unterschiedlichsten Oberflächen fixieren kann. Geachtet wird hierbei auch darauf, dass diese Leitsysteme nicht wieder für andere Gruppen von Menschen mit Behinderung eine Barriere darstellen. Zum Beispiel stehen dem Labor alle in Japan verwendeten Rollstühle zur Verfügung, um die notwendige Anstrengung für RollstuhlfahrerInnen bei der Querung der Leitsysteme zu testen. Neben diesen flexibel einsetzbaren Kunststoffplatten, wurden hier auch akustische Ampeln entwickelt, die unter anderem in adaptierter Form auch den Ampeln von Wien als Vorbild dienten. Dem Labor stehen auch Ressourcen zur Verfügung, neue Ampelmodelle durch blinde ProbandInnen testen zu lassen, um die Sicherheit zu verbessern. Laut Prof. Dr. Tauchi liegen die Schwierigkeiten vor allem an den unterschiedlichen Standards in Japan, was auch die Wichtigkeit von Standardisierung und Normierung zeigt.

Auch das taktile Leitsystem der Universität Wien, soll im Austrian Standards Institute in einer Norm (V2102-1) aufgenommen werden. Für den Neubau der WU Wien ist die Umsetzung dieses Leitsystems bereits angedacht. So könnte dieses System als Vorbild für Österreich und Japan dienen. Eine solche Universalisierung würde die Mobilität von Menschen mit Sehbeeinträchtigung erleichtern.

Im Rahmen meiner Vortragsreise, konnte ich bei einer vom Präsidenten der Japan Braille Library, Tetsuji Tanaka organisierten internationalen Konferenz in Tokio über meine Forschungen zum Thema Taktile - Isotypen am Beispiel des Blindenleitsystems der Universität Wien (Nowak/Ertl System) referieren. Die Bildstatistik nach Wiener Methode oder auch ISOTYPE Methode (International System of Typographical Picture Education) diente als Inspirationsquelle für dieses Leitsystem, das im Gegensatz zu anderen Leitsystemen zusätzliche Informationen im Sinne eines Wegweisers für visuell Beeinträchtigte enthält. Die Grundlage für die ISOTYPE schuf Otto Neurath, im Zuge seiner Arbeit zur Demokratisierung des Wissens, die unter anderem darauf abzielt, komplexe Sachverhalte in Bildern so darzustellen, dass sie sofort ins Auge fallen. Dadurch soll den Menschen Zugang zu Bildung und dem Verstehen gesellschaftlicher Strukturen ermöglicht werden. Bei einer anschließenden Diskussion zeigten auch japanische Architekten Interesse an diesem Indoorsystem der Universität Wien, weil es die selbstbestimmte Benützung des Weges ermöglicht, Rücksicht auf andere Behinderungsarten nimmt und auch für denkmalgeschützte Gebäude geeignet ist.

In Japan wird viel Aufmerksamkeit auf eine möglichst flächenabdeckende Barrierefreiheit gelegt: Besonders an öffentlichen Knotenpunkten und an Straßenübergängen, bei öffentlichen Toiletten und Bahnhöfen sind zusätzliche taktile Pläne zur besseren Orientierung installiert. Erste Anzeichen in Richtung eines flächenabdeckenden Ausbaus österreichischer Städte gibt es zwar, so etwa der Ausbau des Bahnhofs Floridsdorf. Im Vergleich zu japanischen Großstädten sind Europäische Großstädte aber vergleichsweise noch am Anfang.

Link:
Laboratory of Behavioral Science for Disabled der Universität Okayama:
http://tanfu.fhw.oka-pu.ac.jp/e/index.htm

MMag. Wolfgang Nowak
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Univ.-Prof. Dr. Friedrich Ladich
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